Artikel 11/10/2016

Der menschliche Darm und seine Funktion

null Nathalie Nikola Heilpraktiker
null Nathalie Nikola
Heilpraktiker
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‘Es ist der Bauch, für dessen Befriedigung ein großer Teil der Menschen arbeitet — und der die meisten Leiden für die Menschheit bringt.’ (Plinius, 24 - 79 n. Chr.)

Welche Aufgaben übernimmt der Bauch?

  • 1. Er dient als wichtigster Energielieferant und als Hauptort der Verdauung. Hierbei unterscheidet man zwischen dem langen (4-5 m), stark gekrümmten Dünndarm und dem Dickdarm (1,5 m Länge), der den Dünndarm umschließt. Im Dünndarm wird die Nahrung mithilfe verschiedener Verdauungssäfte in seine kleinsten Bestandteile zerteilt, die enthaltenen, stark zerkleinerten Nährstoffe werden dann ins Blut aufgenommen. Der Dickdarm hingegen dient dazu, dem Speisebrei die Flüssigkeit zu entziehen.

  • 2. Im letzteren Teil des Dünndarms befindet sich auch ein sehr wichtiger Teil unseres Immunsystems. Es handelt sich um kleine „Inseln“ - die ‘Peyer’schen Plaques’, in denen sich 80 % unserer weißen Abwehrzellen (Lymphozyten) ansammeln. Sie haben die Aufgabe, körperfremde Substanzen wie Bakterien und Viren sowie Schadstoffe und Allergene im Darm abzuwehren und somit Krankheiten zu vermeiden.

  • 3. Im Dickdarm werden unverdauliche und nicht resorbierte Nahrungsbestandteile von Darmbakterien aufbereitet - deswegen sprechen wir im Zusammenhang mit dem Darm auch gerne vom Inneren Ökosystem des Menschen. Denn hier ist eine sehr große Vielfalt an Bakterien beheimatet, welche die aufgenommene Nahrung zersetzen und die darin enthaltenen Nährstoffe zur Aufnahme vorbereiten. Außerdem schützen diese Bakterien unsere Darmschleimhaut vor äußeren, krankmachenden Faktoren wie z.B. Bakterien, Viren und Schwermetallen. Ist dieses Milieu gestört, kann der Darm seiner Aufgabe der Verdauung und Immunabwehr nicht mehr richtig nachkommen. Das Prinzip ist gut vergleichbar mit dem Ökosystem eines Gewässers. Leben Tiere, Pflanzen und Bakterien im Einklang, ist das Wasser sauber. Kommt es zu einem Ungleichgewicht, verdreckt das einst saubere Wasser und es kommt zum Absterben von beheimateten Tieren und Pflanzen.

  • 4. Nach Durchwanderung des Dünndarms gelangt der restliche Speisebrei dann in den Dickdarm. Dort wird ihm das Wasser entzogen - also eingedickt und schließlich als Stuhlgang ausgeschieden.

Was schadet unserem Darm?

  • Somatische = körperliche Faktoren

Eine unausgewogene Ernährungsweise schadet unserem Darm - darunter auch extreme Diäten mit z.B. einem zu hohen Rohkostanteil, unregelmäßige Mahlzeiten mit Fastfood und Fertigprodukten; sehr oft auch einhergehend mit Nahrungsmittelunverträglichkeit. Bei Unverträglichkeiten kommt es z.T. sogar erst Stunden nach dem Verzehr zu Symptomen wie verstopfter Nase, Husten, Blähungen, etc.

  • Die Einnahme von Medikamenten wie z.B. Antibiotika.

Antibiotikum kann auch noch nach Jahren Beschwerden wie Durchfall oder Blähungen verursachen.

Dazu muss man wissen, dass Antibiotikum bei Erkrankungen eingesetzt wird, um Bakterien abzutöten, die uns schwer krank machen.

Leider unterscheiden Antibiotika nicht nach ‘guten’ und ‘bösen’ Bakterien. Und deshalb werden bei dessen Einsatz auch nützliche Bakterien, wie etwa unsere Darmbakterien zerstört.

Es kommt zu einem Ungleichgewicht, bei dem sich andere Keime, z.B. die in jedem Darm vorkommenden Clostridien zu stark vermehren und körperliche Beschwerden verursachen können.

  • Vorangegangene Darminfektionen/-grippe oder Bauchoperationen können zu einem Ungleichgewicht der Darmbakterien und Darmproblemen führen.

  • Fehlende körperliche Bewegung führt auch zu einer eingeschränkten Darmbewegung (Darmperistaltik), wodurch der Nahrungsbrei zu lange im Darm verweilt und es zu einer Fäulnisflora mit Bauchschmerzen, Verstopfung und Blähbauch kommen kann.

  • Zu geringe Flüssigkeitszufuhr führt ebenfalls zu Darmproblemen. Als Faustregel der täglichen Trinkmenge werden 30 ml pro kg Körpergewicht empfohlen. An heißen Sommertagen oder in Zeiten einer Erkältung sollten Sie natürlich mehr trinken. Ein gesunder Mensch mit einem Körpergewicht von 80 kg sollte täglich mindestens 2,4 Liter Wasser, Tee oder stark verdünnte Säfte zu sich nehmen.

  • Psychische Faktoren als Auslöser oder Verstärker

Wenn wir entgegen unserer Gefühle (re-)agieren, kann es zu psychosomatischen Störungen kommen. So wird der Kopf oft als die Vernunft-Zentrale, der Bauch aber als Heimat der ursprünglichen, einerseits kindlichen, andererseits archaischen Gefühle und Triebe bezeichnet. Werden diese unterdrückt, verschaffen sich die aufgestauten Gefühle mittels körperlicher Symptome Luft. ‘Wir leben nicht von dem was wir essen, sondern von dem was wir verdauen’ (Zitat Hufeland) - und das manchmal sogar im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Beschwerden unterdrückter Gefühle oder nicht verdauter Vorkommnisse sind vielfältig: Verstopfung, Blähungen, Krämpfe und Durchfall sind möglich. Die Untersuchungsergebnisse (Untersuchung der Bakterienbesiedlung des Darms, Darmspiegelung sowie Stuhluntersuchung auf Krankheitserreger) sind trotz vorhandener körperlicher Beschwerden meist jedoch alle unauffällig.

Mögliche Ursachen von Magenschmerzen

  • Stress: Er führt zu fehlender Regeneration. Man powert sich aus, bis nichts mehr geht. Oft steht dies in Verbindung mit einer unregelmäßigen Lebensweise, die uns der Darm übel nimmt.
  • Persönlichkeit: Personen, die laut gängiger Auslegung zu einer „übersteigerten Körperwahrnehmung“ neigen mit z.B. starken Emotionen, etc.
  • Nicht verdaute traumatische Ereignisse.

Welche Therapieansätze gibt es in der Naturheilkunde?

Vor jeder Therapie steht eine saubere Diagnostik mit ausführlich erhobener Krankheitsgeschichte und einer Stuhluntersuchung auf Darmbakterien, Pilze, Verdauungsrückstände, spezieller Entzündungswerte und die Untersuchung der Aktivität des Darm-Immunsystems.

Anschließend werden die Ernährungsgewohnheiten überdacht und entsprechend umgestellt. Je nach Ausprägung und Beschwerden wird dann ein Therapieplan mit homöopathischen, pflanzenheilkundlichen, genau abgestimmten Probiotika, Aminosäuren, Tees und z.B. Bauchwickel erstellt.

Eventuell ist über einige Monate ein vollständiger Verzicht einzelner Nahrungsmittel notwendig, damit sich z.B. eine (leichte) Darmschleimhautentzündung zurückbilden kann. Mit Hilfe weiterer Therapien, wie z.B. Akupunktur gemäß der Traditionellen Chinesischen Medizin, kann man gezielt gegen akute körperliche wie auch psychische Beschwerden vorgehen.

In manchen Situationen ist auch eine psychotherapeutische Begleittherapie notwendig, um psychosomatische Faktoren zu behandeln.

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