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Angst vor der Weisheitszahn-OP: Was Sie & Ihr Arzt tun können

Dr. Felderhoff-Fischer

© Antonioguillem - fotoliaEs gibt viele Methoden, um Weisheitszähne so schonend wie möglich zu entfernen. (© Antonioguillem - fotolia)Die Angst vor dem Zahnarzt ist so alt wie unser Beruf und die wenigsten Menschen haben kein mulmiges Gefühl bei der Vorstellung einer Weisheitszahnentfernung. Doch woher kommt diese Angst, die bei keinem anderen ärztlichen Berufsstand so häufig angegeben wird?

Die Gründe sind vielfältig und nicht immer eindeutig wissenschaftlich belegt. Die häufigste Ursache sind traumatische Zahnarzterlebnisse aus der Kindheit. Aber z. B. auch die Schilderungen negativer Erfahrungen von Eltern, Freunden und Bekannten lösen Angst aus. Sie kann sich zwischen einem mulmigen Gefühl, verbunden mit einem großen Respekt und einer echten Zahnarztphobie bewegen.

Was kann man als Angstpatient tun – allgemein?

Machen Sie sich bewusst, dass es sehr vielen Menschen so geht, denn sonst würde ein solcher Artikel nicht entstehen. Sie sind nicht allein!

Schämen Sie sich nicht für Ihre Angst oder für Ihre Zähne, wenn Sie deshalb schon länger nicht mehr beim Zahnarzt waren! Je mehr man versucht aktiv gegen die Angst anzugehen, desto stärker reagiert der Körper mit z. B. Schweißausbrüchen oder erhöhtem Pulsschlag.

Es ist unsere Aufgabe als Zahnärzte, mit Ihrer Angst umzugehen und gemeinsam mit Ihnen das bestmögliche Konzept für die Behandlung auszuarbeiten. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Vertrauen zum Behandler aufbauen und mit Ihrem Arzt offen über Ihre Ängste sprechen. Sie müssen sich in der Praxis durch den Arzt, das Praxispersonal und das Ambiente aufgehoben und verstanden fühlen.

Ganz wichtig: Bitte nehmen Sie nicht eigenständig Medikamente ein, die angeblich gegen Angst wirken sollen, ohne sich mit Ihrem behandelnden Arzt abzusprechen.

Geben Sie bereits bei der Terminvergabe an, dass Sie Angstpatient sind. So kann extra Zeit für den ersten Besprechungstermin eingeplant werden. Eine nahestehende Kontaktperson zur seelischen und moralischen Unterstützung kann hilfreich sein.

Für manche ist dieser erste Schritt, einen Zahnarzt zur Beratung aufzusuchen, schon ein großer Erfolg. Und ein Sprichwort sagt: „Der Anfang ist schon die Hälfte des Ganzen“ – Aristoteles

In ganz ausgeprägten Fällen einer echten Zahnarztphobie ist eine begleitende psychotherapeutische Therapie in Erwägung zu ziehen.

Was können Patient und Zahnarzt speziell bei der Weisheitszahnentfernung tun?

Suchen Sie sich eine Praxis, die auf Angstpatienten und eine schonende Entfernung von Weisheitszähnen spezialisiert ist und in diesem Bereich große Erfahrung hat. Lassen Sie sich im Gespräch aufzeigen, welche Methode der schmerzfreien Behandlung die Beste für Sie ist.

Überlegen Sie sich auf einer Skala von 1-10 (1. wenig; 10 Zahnarztphobie), wie stark Sie Ihre Angst einschätzen würden.

Für niedrige bis mittlere Skala-Bereiche gilt:
Die Methoden der modernen Schmerzausschaltung und eine einfühlsame Betreuung durch Ihren behandelnden Arzt ermöglichen eine schmerzfreie Behandlung. Falls Sie es wünschen, ist das auch im Wachzustand möglich. Der Zahnarzt unterstützt Sie und vereinbart mit Ihnen ein Signal, wie Sie sich jederzeit bemerkbar machen können.

Es ist für den Patienten sehr wichtig, nicht das Gefühl zu haben, ausgeliefert zu sein oder die Kontrolle zu verlieren. Ihr behandelnder Arzt erläutert, was er gerade tut, so dass man auch bei Geräuschen nicht erschrickt und beruhigend auf Sie einwirkt. Falls Sie diese Informationen nicht wünschen, empfiehlt sich z. B. die Lieblingsmusik zur Ablenkung auf den Kopfhörern. Ein Stofftier oder Knetmasse in den Händen kann ebenfalls beruhigend wirken.

© JackF - fotoliaZahnarztangst ist weit verbreitet. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um eine gemeinsame Lösung zu finden. (© JackF - fotolia)Für die übrigen Skala-Bereiche gilt:
Die Behandlung kann in Analgosedierung (besser bekannter als Dämmerschlaf) oder in ITN (Vollnarkose) erfolgen. Die Behandlung im Dämmerschlaf hilft über die Angst hinweg und sorgt für eine stressfreie Situation.

Viele Patienten entwickelten durch diese Methode wieder Vertrauen zum Zahnarzt und fanden den Einstieg, sich erneut behandeln zu lassen – oftmals sogar ganz ohne Schlaf. Als letzte Möglichkeit kommt die Vollnarkose in Frage.

Einige Seiten lehnen sie jedoch ab, da sie die Angstsituation für die Zukunft ihrer Meinung nach nicht verbessert. Jedoch bietet auch die Vollnarkose meiner Meinung nach wieder den Einstieg in eine zahnärztliche Behandlung, die bei vielen Angstpatienten aufgrund der mangelnden Behandlung dringend notwendig ist. Die Vollnarkose ermöglicht dann natürlich auch die Entfernung von Weisheitszähnen.

Unabhängig davon für welche Form der Schmerzausschaltung Sie sich entscheiden, sollte der Eingriff am besten zeitlich geplant vorgenommen werden und nicht erst dann, wenn bereits Schmerzen vorliegen. Das ist für den Patienten zunächst unverständlich, da man sich ungern behandeln lässt, wenn keine Symptome bestehen.

Die Erklärung ist: Liegt bereits eine akute Entzündung vor, kann der Zahn oftmals nicht direkt entfernt werden. Z. B. aufgrund vorhandener Bakterien oder einer eingeschränkten Mundöffnung. Außerdem ist es oftmals nicht möglich für eine vollständige lokale Schmerzausschaltung zu sorgen.

Bei einem Abszess am Weisheitszahn, muss dieser zunächst eröffnet werden und eine Entfernung des Zahnes kann erst erfolgen, wenn der akute Zustand abgeklungen ist.


Was geschieht nach der Weisheitszahnentfernung?

Für den Heilungsverlauf ist die richtige Aufklärung und Betreuung direkt nach der Zahnentfernung wichtig. Um die Schwellung und damit verbundene mögliche Schmerzen gering zu halten, sollte z. B. direkt ein Coolpack aufgelegt werden. Legen Sie sich zu Hause nicht flach ins Bett, sondern halten Sie den Kopf etwas höher als den Rest des Körpers. Das verhindert ebenfalls eine stärkere Schwellung.

Ihr Behandler bespricht mit Ihnen des Weiteren eine geeignete Schmerztherapie mittels Medikamenten und verordnet Ihnen sie Ihnen. Auch abschwellende Präparate, eine Spüllösung und auf Wunsch homöopathische Mittel können hilfreich sein. Sollte es nach der Zahnentfernung trotz diesen Maßnahmen zu Schmerzen kommen – was in den seltensten Fällen vorkommt – suchen Sie bitte Ihren Behandler auf.

Welche Folgen kann es haben, wenn ich die Weisheitszähne nicht entfernen lasse?

Nicht alle Weisheitszähne müssen entfernt werden. Es gibt genaue Leitlinien unserer Fachgesellschaften (derzeit aktuell überarbeitet August 2019), die festlegen, wann die Entfernung sinnvoll ist. Das bespricht der Behandler ausführlich mit Ihnen.

Hier finden Sie exemplarisch einige Beispiele:

  1. Ist der Weisheitszahn nicht ganz durchgebrochen, besteht die Gefahr, dass sich Bakterien unter der kleinen Schleimhautkapuze sammeln und eine Entzündung bis hin zu einem Abszess entstehen kann.
  2. Hat der Weisheitszahn eine enge Lagebeziehung zum letzten Backenzahn (7er) kann er ihn schädigen z.B. durch eine Resorption der Wurzeln oder durch Karies.
  3. Der Weisheitszahn kann Zysten im Kiefer verursachen, die den Knochen schädigen.
  4. Entgegen der allgemeinen Annahme verlaufen diese Veränderungen an den Weisheitszähnen zunächst oftmals völlig schmerzfrei.

Fazit

Abschließend möchte ich sagen, dass die modernen Behandlungsmethoden und die diversen Methoden der Schmerzausschaltung heute eine schonende und schmerzfreie Entfernung des Weisheitszahnes erlauben. Lassen Sie sich beraten und gehen Sie den ersten Schritt, um unnötige Komplikationen zu vermeiden.

Ein tibetisches Sprichwort sagt: „Aller Anfang ist heute.“

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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