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Atlas-Fehlstellung: So kann sie korrigiert werden!

Herr Schwall

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© fotolia-Jeanette DietlEin ausgerenkter Atlas kann eine Vielzahl von Folgen mit sich bringen (© fotolia-Jeanette Dietl)Der Kopf sitzt mit seinem Gewicht von immerhin ca. fünf bis sechs Kilogramm auf dem Atlas, dem ersten Halswirbel. Fehlstellungen sollten korrigiert werden, um typischen Symptomen entgegenzuwirken.

Symptome bei Atlas-Fehlstellung

Der Atlas ist der oberste Halswirbel und liegt direkt unterhalb der Hirnbereiche, die wichtige Mechanismen wie Atemfrequenz, Herzschlag oder Schlucken steuern. Als Bestandteil eines komplexen Funktionssystems löst eine Fehlstellung nicht nur Nackenschmerzen aus, sondern kann sich auch in folgenden Beschwerden bemerkbar machen:

  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
  • Konzentrationsstörungen
  • Schwerhörigkeit, Tinnitus
  • Sehstörungen
  • Übelkeit
  • schmerzhafte Verspannung der Nackenmuskeln
  • Bewegungseinschränkungen in der gesamten Schultermuskulatur
  • Auswirkungen auf Fehlstatiken und Asymmetrien im ganzen Körper
  • weitere Beschwerden im ganzen Stütz- und Bewegungsapparat

Eine reine Bewegungsstörung des Atlaswirbels verursacht in der Regel kaum bis gar keine Schmerzen. Allerdings sollten die oben genannten Beschwerden Anlass genug sein, bei einer fachspezifischen Untersuchung auch an eine Atlas-Fehlstellung oder -blockade zu denken.
Um die Zusammenhänge möglicher Symptome mit Atlas-Fehlstellung besser begreifen zu können, möchte ich nachfolgend auf wichtige Bestandteile der Anatomie eingehen.


Anatomie rund um den Atlas

Der ringförmige erste Halswirbel besitzt im Gegensatz zu den übrigen Wirbeln keinen Wirbelkörper. Er besteht aus dem hinteren und vorderen Wirbelbogen sowie aus der dicken Knochenmasse, die diese Bögen miteinander verbindet.

Der Atlas verbindet die Schädelbasis mit dem zweiten Halswirbelkörper. Der hintere Atlasbogen, der dem Wirbelbogen der übrigen Wirbelkörper entspricht, enthält in seinen seitlichen Anteilen eine leicht gebogene Rinne, die die Arteria vertebralis vom Foramen transversum, einem kleinen Loch in den Querfortsätzen der Halswirbel nach vorne in das große Hinterhauptloch leitet. Auf der Rückseite befindet sich der hintere Atlashöcker als Überbleibsel eines Dornfortsatzes und dient als Ansatzstelle der tiefen Nackenmuskulatur.


Arteria vertebralis

Die Arteria vertebralis unterteilt sich auf ihrem Weg von der Brusthöhle zum Schädel in vier Abschnitte. Sie hat mehrere Äste und versorgt Halsmuskeln, Spinalkanal und Anteile von Rückenmark und das Kleinhirn.


Spinalkanal

Der Spinalkanal ist ein durch Wirbelbögen und hintere Anteile der Wirbelkörper und Bandscheiben gebildeter Kanal der Wirbelsäule, der das Rückenmark und in den unteren Abschnitten die Cauda equina enthält.


Cauda equina

Die Cauda equina ist ein Nervenfaserbündel, das die Vorder- und Hinterwurzeln der Rückenmarksegmente ab dem dritten Lumbalsegment enthält. Es verläuft vom Ende des Rückenmarks, ist etwa in Höhe des ersten oder zweiten Lendenwirbels gelegen und fließt durch den untersten Teil des Spinalkanals.


Rückenmark

Das Rückenmark ist ein eingeschlossener Teil des zentralen Nervensystems. Es gliedert sich in eine graue und in eine weiße Substanz, entlässt die Spinalnerven und verarbeitet spinale Reflexe oder die Weiterleitung von Impulsen.


Kleinhirn

Das Kleinhirn ist ein Teil des Gehirns, das in der hinteren Schädelgrube unterhalb der Hinterhauptlappen des Großhirns liegt. Es besteht aus zwei Halbkugeln des Gehirns und dem dazwischenliegenden Mittelteil des Kleinhirns. Gemeinsam mit dem Großhirn reguliert es Gleichgewicht und die Bewegung der Muskeln.


© starfotograf - iStockBesonders bei Fehlhaltungen am Arbeitsplatz kann sich der Atlas-Wirbel verschieben (© starfotograf - iStock)Mögliche Auslöser für eine Atlas-Fehlstellung

Da die Beschwerden mit einer zeitlichen Verzögerung eintreten, lässt sich die Ursache nicht immer genau auf einen Auslöser zurückführen. Die Atlas-Verschiebung kann schon seit Geburt vorhanden sein oder auch durch die Geburt selbst oder die Lage im Mutterleib verursacht werden.

Es gibt auch Fälle, bei der die Blockade durch einen Auffahrunfall, einen Sturz oder ein Schleudertrauma ausgelöst wird. Falsche, nächtliche Lagerung und sonstige Fehlhaltungen - vor allem am Arbeitsplatz - ergänzen schließlich typische Auslöser. 

Körperhaltung und Atlasverschiebung

Wenn die Wirbelsäule senkrecht steht, ist das Schädelgewicht gleichmäßig auf beide Körperhälften verteilt. Doch wenn der Atlas auch nur leicht verschoben ist, liegt er nicht mehr im Lot über der Wirbelsäule. Der Schwerpunkt des Körpers verschiebt sich dadurch und es entsteht ein Ungleichgewicht von Kopf bis Fuß. 

Die Augen müssen ihre horizontale Ausrichtung beibehalten, selbst wenn der Kopf schief aufliegt. Um diese Schieflage auszugleichen, sind die Bänder und Muskeln unterhalb des Hinterhaupts ständig unter Anspannung und versuchen stets, die Schieflage wieder in die horizontale Ausrichtung zu bringen.

Diese kontinuierliche Überanstrengung lässt die Muskeln einseitig verkrampfen. Das hat Funktionsstörungen im Skelett- und Muskelsystem, eine statische Fehlhaltung und Schmerzen zur Folge, die häufig nur auf einer Seite auftreten. Aber wie ist das möglich?

Um das Problem besser zu verstehen, ist es wichtig, den Unterschied zwischen dynamischer und statischer Belastung zu begreifen.

Unterschiedliche dynamische Belastungen ergeben sich, wenn der Körper in Bewegung ist. Dabei werden Muskeln akut zusammengedrückt. Diese Wirkung ist jeweils kurzfristig und für den Körper ohne Schwierigkeit, da er früher oder später wieder in den Ruhezustand gelangt. Die Kompressionen verschwinden wieder.

Statische Belastung wirkt im Gegensatz dazu permanent auf den Halte- und Stützapparat ein.
Durch diese ständige einseitige und ungleichmäßige Belastung bilden sich Haltungsschäden heraus und können sich festigen. Anhaltender Druck auf Nerven und Blutbahnen können viele Funktionen stören.

©fotolia-corbis_infiniteZu den gefährlichen Risikofaktoren gehören Gehirnerkrankungen (©fotolia-corbis_infinite)Wie wird eine Atlas-Fehlstellung diagnostiziert und welche Risiken gibt es?

Für die Diagnose sind die Vorgeschichte des Patienten, Schilderungen der Beschwerden und spezielle manuelle Untersuchungstechniken sehr wichtig. Dabei spielt die Erfahrung des Arztes oder Heilpraktikers eine erhebliche Rolle. Nur mit einer exakten Diagnose kann die passende Behandlung ausgewählt werden.

Vor der Behandlung einer Atlas-Fehlstellung muss der Patient darüber aufgeklärt werden, welche Risiken mit der Therapie zusammenhängen. Erst danach wird entschieden, ob die Behandlung durchgeführt wird.

Zu den absoluten Risikofaktoren zählen:

  • akute entzündliche Prozesse
  • entzündliche Gehirnerkrankungen
  • Aneurysmen im zu behandelnden Gebiet
  • Tumore oder Metastasen im zu behandelnden Abschnitt
  • frische Frakturen oder Verletzungen
  • manifeste Osteoporose
  • Schmerzempfindung steht nicht in Relation zum Tastbefund
  • stark ausgeprägte Arteriosklerose (mehr als 60 %) der Halsschlagadern

So läuft die Therapie ab

Das Problem an der Wurzel zu packen, indem man die Fehlstellung und die damit verbundenen Auswirkungen beseitigt, ist die erste und beste Behandlungsmethode.

Spezialisten der Chirotherapie sind hier die optimale Adresse. Sie korrigieren die Fehlstellungen oft bereits in der ersten Behandlung. Wenn sie schon über einen längeren Zeitraum bestehen, können auch Folgebehandlungen nötig werden. Nachdem die Fehlstellung behoben wurde, ist es wichtig, dass Sehnen, Bänder und Muskeln auch therapiert werden. Passende Selbsthilfeübungen ergänzen die Behandlung.

Weshalb ist die Atlaskorrektur so wichtig?

Die Kommunikation zwischen Gehirn und Körper verläuft über unseren "Zentral-Computer". Das zentrale Nervensystem ist im ganzen Körper verteilt.

Die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem Rest des Körpers ist wechselseitig. Wenn das Atlas-Schädel-Gelenk verschoben wird, kann sie gestört werden.

Bereits bei einer nur geringen Abweichung der Atlasposition kann in einer Kettenreaktion eine Asymmetrie im ganzen Skelett verursacht werden. So sind neben den oben aufgeführten Symptomen möglich: 

  • permanente Muskelverspannungen durch Haltungsschäden 
  • Beckenschiefstand mit erhöhtem Risiko eines Bandscheibenvorfalls
  • Hüftschmerzen
  • Beschwerden an den unteren Extremitäten
  • Skoliose (seitliche Wirbelsäulenverkrümmung)
  • Unterschied in der Schulterhöhe mit Schulterblattschmerzen
  • Subluxationen (unvollständige Ausrenkung) anderer Wirbel

©fotolia-pathdocWird die Atlas-Verschiebung nicht behandelt, können sich weitreichende Folgen entwickeln (©fotolia-pathdoc)Je nach Art der Fehlstellung können oft negative Auswirkungen besonders auch auf den zweiten Halswirbel beobachtet werden.

Wenn die Atlas-Fehlstellung korrigiert wird, kann auch der zweite Halswirbel aus einer möglicherweise falschen Lage befreit werden.

Durch anhaltenden Druck auf Spinalnervenwurzeln können weitere Irritationen folgen.
Kortison wird von den Ärzten dann oft als Mittel der Wahl eingesetzt. Ein nützliches Medikament, aber mit den bekannten schwerwiegenden Nebenwirkungen.

Oft sind die Engstellen an den Übergängen von der Hals- zur Brustwirbelsäule oder der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins betroffen, wo ein Druck auf die Nerven zu leichten Taubheitsgefühlen und „Ameisenlaufen“ in Armen oder Beinen führt.

Durch die Unterversorgung können auch Fehlfunktionen in den entsprechenden Organen entstehen. Dadurch kann eine ganze Reihe von Beschwerden auftreten, auch an völlig unerwarteten Stellen des Körpers.

Die verdickten und verhärteten Muskeln drücken die Lymphgefäße wie auch Arterien und Venen zusammen, die zwischen diesen Muskeln verlaufen. Eine weitere Folge sind verminderte Durchblutung und Ansammlung von Stoffwechselschlacken im Gewebe. Ein schädlicher Kreislauf wird ausgelöst, der die Muskeln mehr und mehr verhärtet.

Wenn darüber hinaus auch noch die essentiell wichtige Blutversorgung des Gehirns auch nur leicht eingeschränkt ist, besteht akuter Handlungsbedarf.

Fazit: Die Atlasposition beeinflusst den ganzen Körper

Es gibt noch andere Faktoren, die eine symmetrische und aufrechte Körperhaltung beeinflussen. Beispiele sind ein Beckenschiefstand mit Beinlängendifferenz, operative Eingriffe an Hüfte, Knie oder Fuß und angeborene Deformationen in den unteren Extremitäten. Die Fehlstellung des Atlas hat jedoch eine zentrale Bedeutung. Sie kann gravierende Auswirkungen auf das Skelett, den Muskelapparat, das Kreislaufsystem und den ganzen Körper haben.

Die Erkenntnis jahrelanger Erfahrung hat gezeigt, dass das Knochengerüst in zahlreichen Fällen durch eine Korrektur einer Atlasfehlstellung wieder eine natürlichere Form annimmt. So können längerfristig Gelenk-, Nerven-, Muskel- und Organprobleme ausheilen.

Nur ein Körper mit einer idealen Statik kann langfristig beschwerdefrei und vital bleiben.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


19.03.2018 - 14:38 Uhr

Die Frage, wie eine Atlasfehlstellung...

von kiwi

... diagnostiziert wird, wurde so gut wie gar nicht beantwortet. Und wie genau die Therapie aussieht auch nicht..

Herr Schwall

Antwort vom Autor am 09.04.2018
Johannes Schwall

Guten Tag, zuerst wollte ich gar nicht darauf antworten, weil ich dachte es wäre klar, dass dieses Medium lediglich nur ein Ratgeber sein kann. Auf die Therapie der Chiropraktik kann auch nur verwiesen werden. Diagnostiziert wird im ersten Schritt über Anamnese, Untersuchung und Tastbefunde. MRT-Befunde werden bei Bedarf hinzugezogen. Das alles zu beschreiben würde den zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen. Dieser Ratgeber ersetzt also keine Fachausbildung und detaillierte Fachbuchdokumentation. Wenn Sie selbst erleben wollen, wie ich diagnostiziere und therapiere, können Sie gerne einen Termin bei mir vereinbaren. Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit etwas Klarheit bringen. Mit freundlichen Grüßen Johannes Schwall


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