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Kosten, Schmerzen, Risiken: Was Sie über die Professionelle Zahnreinigung wissen sollten

Dr. Brezavscek

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© shvili - iStock Die Professionelle Zahnreinigung sorgt für weißere und gesunde Zähne, ist aber auch mit Kosten verbunden (© shvili - iStock )Viele Praxen bieten mittlerweile Professionelle Zahnreinigungen an. Doch so mancher Patient fragt sich, ob die PZR bei ihm überhaupt notwendig ist und ob diese Behandlung mit Schmerzen, Risiken oder hohen Kosten verbunden ist. Genau das wollte jameda von Dr. Brezavscek wissen, der ein spezialisiertes Prophylaxezentrum in seine Praxis integriert hat.   

Kosten
Schmerzen
Risiken
Gefahr für Implantate?
Umstrittenes Fluorid
Weißere Zähne
Vorsicht vor ungründlichen Zahnreinigungen
Top-Mundhygiene kein Ersatz für PZR

jameda: Die Kosten für professionelle Zahnreinigungen variieren sehr stark: Einige Zahnärzte verlangen 40, andere 250 Euro. Woher kommen diese Unterschiede?
Dr. Brezavscek: Die professionelle Zahnreinigung (PZR) ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Allerdings gibt es mittlerweile auch Krankenkassen, die im Rahmen von Bonusprogrammen oder speziellen Tarifen Zuschüsse geben. Daher wird diese Leistung meistens nach dem Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) als eine private Leistung abgerechnet. Wie viel sie kostet, hängt vor allem von der jeweiligen Zahnzahl, vom Aufwand und der Ausführung ab. In der Regel dauert eine PZR rund 45 Minuten - es kann aber auch länger dauern, was zu höheren Kosten führt.

jameda: Die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen die Kosten der PZR meist nicht, manche steuern nur kleine Teilbeträge bei. Warum ist das so?  
Dr. Brezavscek: Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass die professionelle Zahnreinigung für Erwachsene zu den vom Patienten selbst zu tragenden Eigenleistungen gehört und kann deswegen nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. 

jameda: Ist die PZR in der Regel schmerzhaft?
Dr. Brezavscek: Nein, die PZR ist nur eine mechanische Reinigung der Zähne und ist in der Regel nicht mit Schmerzen verbunden. Dennoch kann die PZR bei überempfindlichen Zähnen unter Lokalanästhesie durchgeführt werden. Nach der PZR kann es zu einer vorübergehenden Zahnüberempfindlichkeit kommen, die aber ohne weiteren Maßnahmen nach ein paar Tagen abklingt. 

jameda: Bei der professionellen Zahnreinigung werden Bakterien freigesetzt, die in die Blutbahn gelangen könnten. Sind sie eine Gefahr für den Patienten?  
Dr. Brezavscek: Die Einwanderung von Bakterien in die Blutbahn ist bei gesunden Menschen in der Regel unproblematisch. Allerdings können Bakteriämien bei Risikopatienten wie z.B. Patienten mit veränderter oder reduzierter Infektionsabwehr, vorgeschädigtem Herzwänden oder Klappenersatz und bei schlecht bzw. unzureichend eingestellten Diabetikern, Organtransplantierten und Rheumatikern zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Um das Bakteriämierisiko zu vermeiden, wird bei solchen Patienten eine antibiotische Abschirmung vor der PZR angewendet.

© Dr. Miha BrezavescekDr. Brezavscek im jameda-Interview (© Dr. Miha Brezavescek)jameda: Manchmal beginnt das Zahnfleisch zu bluten, wenn der Dentalhygieniker Beläge entfernt. Woher kommt das? Ist es ein Grund zur Sorge?
Dr. Brezavscek: Das Zahnfleischbluten während oder nach der PZR entsteht normalweise durch die Anwendung von verschiedenen Hand-, rotierenden oder oszillierenden Instrumenten, die in Berührung mit dem Zahnfleisch kommen. In der Regel ist eine solche Blutung unproblematisch. Allerdings sollte das Zahnbett untersucht werden, um eine Zahnfleischentzündung oder parodontale Erkrankung auszuschließen.

jameda: Patienten mit Implantaten, Kronen oder Veneers sind manchmal unsicher, ob ihr Zahnersatz unter der professionellen Zahnreinigung leiden könnte. Ist diese Angst berechtigt?
Dr. Brezavscek: Nein. In der Regel kann ein implantat- oder zahngetragener Zahnersatz durch die PZR nicht beschädigt werden.

jameda: Fluorid ist umstritten. Naturheilkundler behaupten, künstliches Fluorid könne den Stoffwechsel und das Immunsystem beeinträchtigen. Ist das richtig?
Dr. Brezavscek: Die Dosis bestimmt, ob ein Stoff gut oder schlecht für die Gesundheit ist. Fluorid ist in niedrigen Dosen wichtig für die Schmelzbildung und für die Remineralisation des Schmelzes. Es schützt den Zahnschmelz vor Bakterien. Allerdings kann zu viel Fluorid zu Schmelzfehlbildung bzw. Fluorose führen. Genauso kann eine Überdosierung mit Fluoriden eine lebensbedrohliche Vergiftung verursachen.

jameda: Was halten Sie von der homöopathischen professionellen Zahnreinigung, die ohne Fluorid auskommt?  
Dr. Brezavscek: Eine Zahnreinigung ohne Fluorid ist genau so effektiv wie eine mit Fluoridanwendung.

jameda: Bei der PZR werden hartnäckige Beläge entfernt. Außerdem sehen die Zähne danach weißer aus. Wie lange halten diese Effekte an?
Dr. Brezavscek: Wie schnell sich die Zähne verfärben, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die für das Entstehen von harten Belägen oder Verfärbungen entscheidend sind. Dazu gehören die Qualität der Mundhygiene und die Ernährung (vor allem Kaffee, Tee, Rotwein, Schokolade und andere färbende Lebensmittel), aber auch Nikotinkonsum und die Neigung der Person zur Zahnsteinbildung.

jameda: Die Stiftung Warentest fand heraus, dass viele Dentalhygieniker nicht gründlich genug arbeiten. Woran erkennen Patienten, ob die PZR bei ihnen optimal verlaufen ist?
Dr. Brezavscek: Nach einer PZR sollten Zahnstein und Zahnverfärbungen vollständig entfernt sein. Abschließend erfolgen die Politur der Zahnoberfläche und das Fluoridieren. 

jameda: Kann eine gründliche Mundhygiene die PZR ersetzen?
Dr. Brezavscek: Auch bei einer gründlichen Mundhygiene mit Zahnbürste, Zahnseide und interdentalen Bürstchen können sich auf schlecht erreichbaren Flächen bakterielle Beläge bilden. Solche Bereiche können nur durch die PZR gereinigt werden. 

jameda: Vielen Dank für das Interview!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


08.06.2016 - 15:47 Uhr

Wie schädlich ist eine PZR für Patienten mit...

von Helmut F.

... Meningitis? Bei mir ist eine solche Krankheit 24 Stunden zu spät erkannt worden. Ich lebe schon über 50 Jahre mit dieser Diagnose. Die PZR ist schon einmal bei mir durchgeführt worden. Die Eigenleistung tut zwar nicht ganz so weh. Tatsache ist aber, dass die PZR meinen Nerven mehr schadet, als wie sie meinen Zähnen nützt. Außerdem hinterlässt sie starke Spuren von Kopfschmerzen, die fast doppelt solange brauchen, um abzuklingen wie üblich! Mein Zahnarzt versicherte mir aber, wenn die PZR nicht regelmäßig durchgeführt wird, werde ich in absehbarer Zeit meine ganzen Zähne verlieren. Das Zahnfleisch zieht sich dann scheinbar immer mehr zurück. Was soll ich machen?


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