Kieferschmerzen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Claudia Galler

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© fotolia - dalaprodKieferschmerzen können die Ursache verschiedenster Krankheiten sein (© fotolia - dalaprod)Das Gähnen schmerzt, der Biss vom Brot tut weh - plötzlich einschießender Kieferschmerz lässt die Augen tränen. Welche Auslöser für Kieferbeschwerden in Frage kommen, welche Symptome auftreten und was man dagegen unternehmen kann, erklärt die jameda Gesundheitsredaktion in diesem Gesundheitsspecial.

Arten und Ursachen von Kieferschmerzen sind vielfältig

Kieferschmerzen können dumpf und diffus sein, plötzlich für Sekunden auftreten oder dauerhaft bestehen. Sie können ein Einzelsymptom sein oder sind von anderen Beschwerden begleitet.

Ein Teil der Kieferschmerzen hat ihre Ursache vor Ort, in anderen Fällen strahlen Beschwerden entfernter Körperbereiche in den Kiefer aus. Die Ursachen können körperlicher oder seelischer Natur sein. Oft ist es schwierig, den Grund für die Kieferschmerzen zu bestimmen, da die umgebenden Strukturen sehr zahlreich sind. So kommen als Auslöser das Kiefergelenk, die Kaumuskeln, die Zähne und der Zahnhalteapparat in Frage. Auch Innen- und Mittelohr sowie Nasennebenhöhlen, Lymphknoten und Hirnnerven können beteiligt sein. Selbst der Nacken- und Rückenbereich sowie das Herz können Gründe für Kieferbeschwerden sein.

Welcher Arzt aufzusuchen ist, hängt von den primären Symptomen ab. Haus-, HNO- oder Kieferorthopäden können die richtigen Ansprechpartner sein.

CMD: Eine gestörte Kieferfunktion

Die Craniomandibulären Dysfunktion (CMD) beschreibt eine Fehlfunktion im Bereich von Unter- und Oberkiefer, bei der das Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenken gestört ist. Die Erkrankung kann sowohl physische als auch psychische Ursachen haben:

  • lang bestehendes Zähneknirschen bzw. -pressen (Bruxismus)
  • Kieferfehlstellungen
  • falsch sitzender Zahnersatz
  • Stress
  • Fehlhaltungen
  • hormonelle Einflüsse
  • genetische Veranlagung
  • Schlafstörungen
  • Depressionen

Die permanente Fehlbelastung führt zu vielfältigen Symptomen wie Entzündung, Abnutzung und Schmerzen im Kiefergelenk sowie zu Schmerzen, die entstehen, wenn die Muskeln eine Überempfindlichkeit entwickeln. Daneben können eine ganze Reihe von Symptomen auftreten wie:

  • Zahnschwund
  • Zahnfleischschäden
  • Kopf-, Gesichts-, Nacken- und Rückenschmerzen
  • Knack- und Knirschgeräusche bei Kieferbewegungen
  • Ohrenschmerzen und Tinnitus
  • Sehstörungen
  • Halsbeschwerden
  • Mund- und Zungenbrennen
  • gestörter Schlaf
  • Stimmungsschwankungen und Angstzustände

©fotolia-Igor MojzesIhr Zahnarzt kann Ihnen erklären, was Sie gegen CMD tun können (©fotolia-Igor Mojzes)So wird CMD behandelt

Bei einer Fehlfunktion des Kieferbereiches helfen Akutmaßnahmen, um Belastung und Schmerzen möglichst schnell zu vermindern. Gleichzeitig muss die Grunderkrankung als Ursache der Kieferstörung behoben werden, um die Beschwerden langfristig zu beseitigen.

Wer unter CMD leidet, sollte weiche Kost essen, um den Kiefer zu schonen. Krusten, Nüsse und harte Rohkost sind tabu. Auch Kaugummikauen belastet die Kaumuskulatur zu sehr. Um die Zähne zu schonen, sollte man nachts eine Schiene tragen, die der Zahnarzt anpasst.

Wärme entspannt die Kaumuskulatur und Kältekompressen lindern akute Schmerzen und Entzündungen. Dehn- und Bewegungsübungen für den Kiefer sowie Entspannungstechniken  entlasten den Kieferbereich. Je nach Grunderkrankung wird der Zahnarzt die Kieferstellung, die Zahnsituation und den Sitz des Zahnersatzes prüfen und behandeln. Der Orthopäde kann über Physiotherapie, Empfehlungen zu Körperhaltung und Schlafposition sowie durch Schuheinlagen Fehlhaltungen des gesamten Körpers korrigieren. An homöopathischen Mitteln werden Cuprum metallicum und Nux vomica bei Zähneknirschen und Beschwerden der Kaumuskulatur eingesetzt.

Wenn die Zähen Schuld sind

Bei Erkrankungen der Zähne und des Zahnhalteapparats können sich Schmerzen und Entzündungen bis in den Kiefer ausbreiten. Fortgeschrittene KariesParodontitis oder ein drückender Weisheitszahn sind mögliche Auslöser, besonders eine Entzündung der Zahnwurzel verursacht typische Kieferschmerzen.

Die Symptome bei Zahnkomplikationen gehen von Schmerz- und Kälteempfindlichkeit, einschießenden Schmerzen beim Kauen bis zu dumpfen, ziehenden Schmerzen. Entzündungen im Zahn- und Kieferbereich bereiten nachts meist größere Beschwerden, da im Liegen die Wärme des Kopfkissens das betroffene Gewebe zusätzlich anschwellen lässt.

Neuropathische Schmerzen treten auf, wenn Nerven geschädigt werden, z. B. durch einen Unfall oder eine zahnärztliche Behandlung. So kann es nach einer Zahnentfernung, Parodontitis- oder Wurzelbehandlung zu Beschwerden wie Taubheitsgefühl, Kribbeln, Brennen und Druckempfindlichkeit im Zahn- und Kieferbereich kommen.

Eine gründliche Mundhygiene und eine regelmäßige Kontrolluntersuchung durch den Zahnarzt beugen Zahnerkrankungen vor. Bei plötzlich auftretenden Zahn- und Kieferbeschwerden können Ibuprofen, lokal aufgetragenes Nelkenöl und Kühlung helfen. Dann sollte ein Zahnarzt so rasch wie möglich aufgesucht werden.

Neuropathische Beschwerden werden mit Schmerzmitteln in Kombination mit Co-Analgetika aus der Gruppe der Antikonvulsiva und Antidepressiva behandelt. An homöopathischen Einzelmitteln kann bei starken Zahnschmerzen z. B. Chamomilla eingesetzt werden. Einschießender Schmerz im Kieferbereich und neuropathische Zahnschmerzen sind ein Zeichen für Hypericum und Aconitum.

© Piotr Marcinski - fotoliaWärme regt die Durchblutung an und verstärkt so oft die Schmerzen - Kühlen hilft! (© Piotr Marcinski - fotolia)Schmerzen aufgrund einer Kieferhöhlenentzündung

Ein grippaler Infekt kann mit einer Nasennebenhöhlenentzündung einhergehen. Betroffen sind meist die Kiefer- oder Stirnhöhlen, selten die Siebbein- und Keilbeinhöhlen. Auslöser sind zum großen Teil Viren.

Wenn das Immunsystem durch den grippalen Infekt oder die echte Grippe überfordert ist, siedeln sich hier Bakterien meist in einer zweiten Infektion an. Die Kieferhöhle liegt über der oberen Zahnreihe. Sind ihre Schleimhäute durch Erreger angegriffen, entzündet, verschleimt und geschwollen, drückt der Entzündungsherd auf den Oberkiefer und verursacht Schmerzen. Was tun?

Diese Kieferschmerzen sind von typischen Erkältungssymptomen wie Kopf- und Ohrenschmerzen sowie geschwollenen Lymphknoten begleitet. Hier helfen Hausmittel wie Inhalieren, Wärme, genügend Flüssigkeitsaufnahme und Ruhe. Ein Nasenspray lässt die Nasenschleimhäute abschwellen, lösende Wirkstoffe bringen festsitzenden Schleim hinaus.

Tritt nach drei Tagen keine Besserung auf oder setzen die Beschwerden schlagartig sehr heftig ein, sollten Patienten einen Arzt aufsuchen, der gegebenenfalls ein Antibiotikum verschreibt. Zur Besserung von Nasennebenhöhlenentzündungen wendet man in der Homöopathie u. a. die Einzelmittel Cinnabris, Kalium bichromicum und Hydrastis an, auch die Eitermittel Hepar und Silicea können angezeigt sein.

Extremer Gesichtsschmerz: Trigeminusneuralgie

Trigeminusneuralgie ist eine Form des Gesichtsschmerzes, bei der Betroffene unter blitzartig einsetzenden Schmerzattacken leiden. Die Ursache ist ein gereizter Gesichtsnerv. Der Nerv verläuft in drei Hauptästen, die jeweils auf der linken und rechten Gesichtshälfte den Augen-, Oberkiefer- und Unterkieferbereich versorgen.

Die Schmerzen können ohne Ursache auftreten oder durch bestimmte Trigger wie Kauen, Schlucken, Wärme, Kälte oder Druck durch Gesichtsberührung oder Zähneputzen ausgelöst werden. Die Schmerzen sind extrem stark und treten einseitig auf, meist im Kieferbereich. Die Attacken dauern nur einige Sekunden bis Minuten, können aber mehrmals am Tag auftreten, Betroffene erleben auch schmerzfreie Phasen von Wochen oder Monaten.

Begleitende Symptome einer Trigeminusneuralgie sind tränende, gerötete Augen, eine laufende Nase, eine gesteigerte Speichelproduktion und Gesichtszuckungen. Die Ursache für die Reizung des Gesichtsnervs kann im Gehirn liegen. Hier drückt meist ein Blutgefäß auf den Nerv, so dass er geschädigt wird. Nervenerkrankungen wie Multiple Sklerose oder eine Störung in der Schmerzverarbeitung können ebenfalls eine Gesichtsneuralgie auslösen. Trigeminusbedingte Kieferschmerzen können auch vor Ort entstehen, wenn die Nervenenden chronisch gereizt werden, z. B. durch eine Verletzung oder einen chirurgischen Eingriff.

Die Diagnose stellt ein Neurologe. Um andere Ursachen auszuschließen, wird der Patient auch von einem Zahnarzt und Hals-Nasen-Ohren-Arzt untersucht. Behandelt wird die Erkrankung medikamentös mit Antikonvulsiva, die u. a. die Schmerzweiterleitung und -verarbeitung beeinflussen.

Durch Injektion eines Lokalanästhetikums oder Opioids in den Gabelungsknoten des Trigeminusnervs kann er unempfindlich gemacht werden. Chirurgisch kann das auslösende Blutgefäß im Gehirn verkleinert werden oder der Trigeminusnerv über Hitze oder Strahlung ausgeschaltet werden. Die Homöopathie empfiehlt bei plötzlich einschießenden, stechenden Kieferschmerzen und Trigeminusneuralgie die Einzelmittel Aconitum, Verbascum und Spiegelia.

Kieferschmerzen bei Herzinfarkt

Zu den klassischen Symptomen eines Herzinfarkts gehören Schmerzen in der Herzgegend, die in den linken Arm ausstrahlen, Engegefühl in der Brust, Schwitzen, blasse Gesichtsfarbe und Todesangst. Ein Herzinfarkt kann sich aber auch, z. B. bei Frauen, durch untypische Anzeichen bemerkbar machen. Neben Übelkeit, Rückenschmerzen, Schwindel, Luftnot und Erschöpfung treten auch Zahn- und Kieferschmerzen auf, oftmals auf der linken Seite. Hier heißt es, keine Zeit zu verlieren und über 112 den Notarzt zu informieren.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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