Intravenöse Sauerstoff-Therapie (Oxyvenierungstherapie) nach Dr. Regelberger: Anwendungen & Nebenwirkungen

Die Anwendungsgebiete der Oxyvenierungstherapie sind sehr vielseitig. (© Monkey Business - fotolia)

Oxyvenierung ist ein Heilverfahren, bei dem medizinischer Sauerstoff in die Venen des Patienten eingebracht wird. Daher spricht man auch von intravenöser Sauerstoff-Therapie oder intravenöser Oxyvenierungstherapie (IOT).

Was passiert bei der Oxyvenierungstherapie?

Wenn medizinischer Sauerstoff über Venen verabreicht wird, wirkt das gefäßerweiternd und entzündungshemmend. Diese Effekte lassen sich bei vielen chronischen Erkrankungen nutzen, von Neurodermitis bis zu arteriellen Durchblutungsstörungen.

Der Sauerstoff im Blut verbessert die Immunantwort und senkt den Blutdruck vor allem in den kleinsten Gefäßen. Bei der Entstehung der meisten chronischen Erkrankungen spielen Entzündungsvorgänge eine zentrale Rolle. Die Oxyvenierung wirkt stark antientzündlich und gefäßerweiternd.

Ich setzte sie zum Beispiel ein bei


Wie wirkt die Behandlung?

Durch den Sauerstoff wird das antithrombotische und durchblutungsfördernde Hormon Prostacyclin verstärkt gebildet. Die Gefäße im gesamten Körper erweitern sich, wodurch sich das Prostacyclin durchschnittlich um mehr als 800 % erhöht.

Durch den verabreichten Sauerstoff kommt es zu einer Eosinophilie. Die eosinophilen Granulozyten sind mit der Sauerstoffgabe in der Lage, die 15-Lipoxygenase-1 aus der Arachidonsäurekaskade zu bilden, wodurch die Leukotriensynthese blockiert wird. Eine Arbeit von Prof. Kühn aus der Charité Berlin bestätigt die antientzündliche Wirkung.

Im Rahmen von Aminosäure- oder Vitamin-C-Hochdosis-Infusionen verbessert die Oxyvinierung die Aufnahme und erhöht das Wirkspektrum.

Bei komplizierten Verläufen von Viruserkrankungen ist eine übersteigerte TH1-Antwort des Immunsystems häufig ein Problem. Solche TH-1-gewichteten Entzündungen lassen sich durch Stimulation der TH-2-Antwort reduzieren. Die Oxyvenierung moduliert das Immunsystem in Richtung TH2-Antwort.

Das zeigt sich am Anstieg der eosinophilen Granulozyten und der Zytokinfreisetzungen der Immunzellen im Verlauf einer z. B. 20-tägigen Serie der intravenösen Sauerstoff-Therapie.
Daher kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der präventive Nutzen der intravenösen Sauerstoff-Therapie nach Dr. Regelsberger vor solchen überschießenden Immunreaktionen schützt.

Unter der Oxyvenierung nimmt die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen zu, den sogenannten eosinophilen Granulozyten. Sie setzen wiederum das Enzym 15-Lipoxygenase-1 frei, dem antientzündliche und krebshemmende Wirkungen zugeschrieben werden. Das könnte ein wesentlicher Wirkmechanismus der Oxyvenierung nach Regelsberger sein, der insbesondere bei chronischen Entzündungen und Allergien eine Rolle spielt.


Die Geschichte der Oxyvenierungstherapie

Der Neurochirurg Dr. med. H. S. Regelsberger entwickelte die Oxyvenierung in den 1950er Jahren. Dr. Regelberger forschte damals zur Arsenvergiftung in der Abteilung Neurologie und Neurochirurgie der Universität Köln.

Bei einem Hund, dessen Hirnströme im EEG nicht mehr nachgewiesen werden konnten, führte die Gabe von intravenösem Sauerstoff dazu, dass das Tier aufstand und zum Fressnapf ging. Das war die Geburtsstunde der Oxyvenierung, der sich Dr. Regelsberger nun mit vollem Elan widmete.


Wann wird die Oxyvenierungstherapie angewendet?

Gute Wirkung zeigt die Oxyvenierung nach Dr. Regelsberger einzeln oder ergänzend zu anderen Therapien vor allem bei:

  • arteriellen Durchblutungsstörungen (insbesondere der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und Erkrankungen feiner Gefäße bei Diabetes)
  • Lymphabfluss-Störungen (Lipödem)
  • Hautulcera, „offene Beine“ (Ulcus cruris)
  • Nachbehandlung von Schlaganfall und Herzinfarkt
  • Blutdruckregulation bei Bluthochdruck, aber auch zu niedrigem Blutdruck
  • Rheuma und Arthritis
  • Heuschnupfen und chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen
  • Asthma
  • Neurodermitis und Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Erschöpfungszuständen, Burnout und Depression
  • Schlafstörungen
  • Borreliose
  • Erektionsproblemen
  • unerfülltem Kinderwunsch
  • trockener Makuladegeneration
  • Schwindel
  • Morbus Menière
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Hörsturz
  • Kopfschmerzen (insbesondere gefäßbedingten), Migräne
  • Lebererkrankungen, Fettleber
  • Diabetes, metabolischem Syndrom
  • Colitis ulcerosa
  • Nervenschmerzen (Neuralgien)
  • Polyneuropathien
  • ergänzende Behandlungen nach Krebs

Außerdem wirkt sie

  • gefäßerweiternd,
  • antioxidativ,
  • antientzündlich

und hemmt

  • die Verklumpung von Blutplättchen („Blutverdünnung“, Hemmung der Thrombozytenaggregation) sowie
  • die Metastasenbildung.

Wichtigste Domäne der Oxyvenierung sind die chronischen Krankheiten. Mit der Oxyvenierung können auch beginnende Erkältungsinfekte gut abgefangen werden.

Die Behandlung ist mit wenig Nebenwirkungen verbunden und daher in der Regel gut verträglich. (© Kurhan - fotolia)


Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Anfangs kann die Behandlung müde machen. Ein vorübergehender Hustenreiz kann auftreten, der jedoch meist nach einigen Minuten wieder vorbei ist. Manchmal kommt es zu einem Druckgefühl hinter dem Brustbein. Wird die Sauerstoffzufuhr verringert, verschwinden die Beschwerden rasch wieder.

Manche Patienten befürchten, dass es durch den eingeführten Sauerstoff zu einer Luftembolie kommen könnte. Es kann aber zu keiner Luftembolie kommen, weil sich die pro Zeiteinheit verabreichten geringen Sauerstoffmengen sofort im Blut auflösen

Die Behandlung erfolgt im Liegen. Eine Erstbehandlung dauert ca. drei bis vier Wochen. Eine Nachbehandlung richtet sich nach der zu Grunde liegenden Erkrankung und kann bis zu zwei Wochen dauern.

Literatur

  • Beeke, E., Kreutzer, F.J.: Intravenöse Sauerstofftherapie bei trockener altersbedingter Makuladegeneration. Klinische Studie. EHK 2007; 56: 740-744.
  • Kreutzer, F.J., Nowak, V.: Stimulation der endogenen Prostacyclinsynthese durch interavenöse Sauerstofftherapie (Oxyvenierung nach Regelsberger). Ergebnisse einer offenen Multicenter-Studie. EHK 1/2002: 12-15.
  • Kreutzer, F.J.: Bildung von 15-Lipooxygenase-1 in eosinophilen Granulozyten während intravenöser Sauerstoffbehandlung (Oxyvenierung nach Regelsberger). EHK 2004; 53: 759-764. Basierend auf Chaitidis, P., Kreutzer, F.J., Gerth, C., Janata, P., Kühn, H.: Impact of intravenous oxygen therapy on the expression of reticuocyte-type 15-lipooxygenase in human volunteers. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids 2004; 71(5): 271-276.
  • von Schoenebeck, G.: Intravenöse Sauerstoff-Therapie. Hartnäckige Ulzera heilen ab. Ärztliche Praxis vom 25.2.1992, 44, 16: 25-27.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (4)

Cornelia, 22.03.2021 - 17:43 Uhr

Kann man die Oxyvenierung während einer Strahlenbehandlung machen oder erst hinterher? Danke.

Antwort von Thomas Becher, verfasst am 24.03.2021

Das sollte im Einzelfall mit den Behandelnden Ätzten abgestimmt werden. Eine Pauschalaussage ist hier nicht sinnvoll. Abhänging ist es von derArt der Grunderkrnkung, Dosiertung und Art der Strahlentheraspie und welche anderen begleitenden Verfahren noch geplant sind. - Gerne stehe ic hihnen über die onlnietermin funktion für eine persönliche Beratung zur Verfügung.

Jörg Z., 22.02.2021 - 13:00 Uhr

In welcher Dosis ist es nach Krebs-OP sinnvoll? Macht Kochsalzlösung als Träger Sinn?

Antwort von Thomas Becher, verfasst am 23.02.2021

Die Dosierungen werden in Größen von 7 bis 60 ml gegeben. meist als Serie von 10-20 Behandlungen in aufsteigender Dosierung. Die gbe erfolgt als Gasinfusion.

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